Eingemachte Amarillen (nach Nostradamus)
Zutaten
| 1500 | g | Amarillen |
|---|---|---|
| 750 | g | Zucker |
| 1500 | g | Fruchtsaft; oder etwas mehr |
QUELLE Die Elixiere des Nostradamus Rowohlt, August 1994 ISBN 3-499-13608-2 Erfasst: Ulli Fetzer | ||
Zubereitung
Wie man Amarillen auf das schoenste und herrlichste einmacht, dass sie, obwohl dies schon vor einem Jahr geschehen ist, dennoch scheinen als ob es erst am selben Tag verrichtet worden waere: Nimm von den allerschoensten und reifsten Amarillen, die du immer bekommen kannst drei Pfund mehr oder minder, denn wenn sie nicht frisch sind sieden sie dermassen ein, dass nichts als der Stein und die Huelsen uebrigbleiben. Wenn du siehst, dass die Stiele zu lang sind, schneide sie ein wenig ab. Sodann nimm anderthalb Pfund Zucker, den loese in drei oder vier Pfund einer anderen Amarillenbruehe oder Saft auf und hab acht, dass sobald der Saft ausgedrueckt ist, du den Zucker ohne Verzug hinzutust und ueber das Feuer setzt und ihn mit nichts anderem aufloest, als mit erstgenanntem Saft. Lass ihn so geschwind sieden als es immer moeglich ist und im Sieden schaeume ihn ab. Wenn du solches mit bestem Fleiss verrichtet hast und siehst, dass der Zucker rot ist und ganz fein gesaeubert oder purificiert ist, tue ihn nicht vom Feuer, sondern lass ihn so weitersieden und wirf die Amarillen hinein und ruehre sie wenig aber ohne Unterlass mit einem Spatel um, bis sie zerkocht und schaumig sind und hebe sie ja nicht vom Feuer hinweg - es sei denn sie sind durchgekocht - damit du sie nicht wieder auf das Feuer tun musst.
Wenn du einen Tropfen auf einen Zinnteller fallen laesst und siehst, dass er nicht hin und her faellt, dann ist es richtig gekocht. Tue es noch warm in kleines Geschirr, das sechs oder acht Lot haelt. Nun hast du schoene, rote und vollkommene Amarillen von lieblichem Geschmack, die lange Zeit gut bleiben.
Ich bin aber an vielen und mancherlei Orten in der Welt gewesen und habe dieses und jenes kennengelernt und erfahren, dass dieser es so, ein anderer auf andere Weise einmacht, dass wenn ich das alles in die Feder bringen sollte, mir das Papier ausginge. Ich glaube aber Welschland hat darin Vorrang gehabt, aber soviel ich gesehen, gehen sie naerrisch damit um. So hab ich sie gesehen zu Toulouse, Bordeaux, zu Rochelle und kuerzlich um davon zu reden zu Genua und im Languedoc, durch die ganze Provinz Delphinat und in der Gegend von Lyon, aber schoenere und bessere als diese habe ich nicht gefunden. Zu Toulouse kochen sie es vier- oder fuenfmal, zu Bordeaux sehr oft. Doch schliesslich wenn sie fuenf oder sechs Monate alt sind, faulen sie, verderben, sind ohne Nutzen und die anderen verdorren. Will man sie aber richtig einmachen, darf man nichts anderes als den Amarillensaft selbst dazu nehmen, denn er vermehrt ihre Guete, Dicke und ihren Geschmack.
Dass wenn ein Kranker nur eine nimmt, er es fuer Balsam oder sonst etwas Kraeftiges haelt. So sind sie auch nach Ablauf eines Jahres so schoen als am ersten Tag.